Ein iPad mit einer DMX-Licht-App eignet sich gut für kleine Rigs und als mobile Fernbedienung: Sie können überall im Raum stehen und Looks so anpassen, wie das Publikum sie sieht. Die Kehrseite sind WLAN-Aussetzer, Akku- und App-Probleme und fehlende physische Fader. Planen Sie deshalb einen kabelgebundenen Netzwerkweg und ein Hardware-Backup ein, bevor Sie sich bei einer Show darauf verlassen.

So steuert ein iPad DMX-Scheinwerfer
Ein iPad kann von sich aus kein DMX ausgeben. Irgendetwas muss die Befehle der App in ein DMX512-Signal auf einem XLR-Kabel umwandeln. Es gibt vier gängige Aufbauten:
| Aufbau | Signalweg | Geeignet für |
|---|---|---|
| App + Netzwerk-Node | iPad → WLAN-Router → Art-Net- oder sACN-Node → DMX-Kabel → Geräte | Der häufigste iPad-Aufbau; lässt sich auf mehrere Universen erweitern |
| App + kabelgebundenes Interface | iPad → USB-DMX-Interface (USB-C-Anschluss oder Adapter) → Geräte | Kein WLAN im Steuerweg; funktioniert nur mit Interfaces, die die App unterstützt |
| Fernbedienung für ein Lichtpult oder einen Laptop | iPad → WLAN → Lichtpult oder Lichtsoftware → DMX | Fokussieren und durch den Raum gehen, während das Hauptpult die Show fährt |
| Eigene App des Geräts | iPad → Bluetooth oder WLAN → Gerät | Akku-Uplighting einer einzelnen Marke; das ist kein DMX und lässt sich meist nicht mit anderen Marken kombinieren |
Art-Net und sACN übertragen DMX-Daten über Ethernet. Ein Node wandelt diese Daten in ein oder mehrere DMX-Universen mit je 512 Kanälen um. Ab dem Node gelten die normalen DMX-Regeln: DMX-Kabel mit 120 Ω, bis zu 32 Geräte pro Strang ohne Splitter und ein Abschlusswiderstand (Terminator) mit 120 Ω am Ende jedes Strangs.
Vorteile der Lichtsteuerung per iPad
Sie sehen, was das Publikum sieht
Ein festes Pult hinten im Saal oder hinter dem DJ-Tisch zeigt Ihnen die Bühne aus einem einzigen Blickwinkel. Mit einem iPad können Sie mitten auf der Tanzfläche stehen, einen Wash so lange anpassen, bis die Gesichter gut aussehen, und dann zur Seite gehen und prüfen, ob die Moving Heads an den Lautsprechertürmen vorbeikommen. Allein beim Fokussieren spart das viel Zeit.
Geringe Kosten und kleine Größe
Eine App und ein Node für ein Universum kosten oft weniger als ein eigenes Lichtpult, und die ganze Ausrüstung passt in einen Rucksack. Mobile DJs und kleine Bands bekommen mehr Kontrolle, ohne ein weiteres Case tragen zu müssen.
Eine visuelle Oberfläche
Viele Apps zeigen Geräte mit Namen an, haben Farbwähler und Positions-Pads und enthalten Gerätebibliotheken. Das verstehen neue Bediener leichter als eine Reihe nummerierter Fader.
Leicht zu übergeben
Sie können eine Seite mit fünf großen Szenentasten anlegen und das iPad auf diese Seite sperren. Ein ehrenamtlicher Helfer muss dann nur die richtige Taste antippen.
Nachteile der Lichtsteuerung per iPad
Das WLAN ist das schwache Glied
Ein Raum voller Smartphones, ein Netzwerk der Location auf denselben Kanälen und ein Funk-DMX-System auf 2,4 GHz konkurrieren alle um denselben Funkraum. WLAN-Probleme zeigen sich als verzögerte oder ausgelassene Befehle, und sie treten meist auf, wenn sich der Raum füllt, nicht beim Test im leeren Saal.
Akku, Ruhezustand und Mitteilungen
Ein iPad dimmt den Bildschirm, sperrt sich, blendet ein Mitteilungsbanner über Ihre Fader ein oder bietet im ungünstigsten Moment ein Update an, wenn Sie es nicht entsprechend einrichten. Außerdem entlädt sich ein Tablet-Akku schneller, wenn der Bildschirm stundenlang auf voller Helligkeit läuft.
App- und Betriebssystem-Updates
Ein iOS-Update kann eine App oder einen Hardware-Treiber unbrauchbar machen. Manche Apps verlangen zudem ein Abo für zusätzliche Universen oder Funktionen. Prüfen Sie also, wofür Sie bezahlen, bevor Sie eine Show darauf aufbauen.
Keine physischen Fader
Auf Glas können Sie nicht ertasten, wo ein Fader steht, und ein auf dem Bildschirm ruhender Handballen kann etwas verstellen, das Sie gar nicht berühren wollten. Für schnelles Live-Busking empfinden viele Bediener Hardware-Fader oder ein kleines Hardware-Wing als schneller und sicherer. Manche Apps akzeptieren dafür USB- oder MIDI-Controller; prüfen Sie das vor dem Kauf.
iPad, Hardware-Controller oder Laptop
| Faktor | iPad-App + Node | Hardware-Szenen-Controller | Laptop-Software + Interface |
|---|---|---|---|
| Mobilität | Überall innerhalb der WLAN-Reichweite | Fest am Steuerplatz | Überwiegend fest |
| Zuverlässigkeit | Abhängig von WLAN, Akku und App | Am höchsten; wenige Fehlerquellen im Aufbau | Abhängig von Computer und Treibern |
| Physische Bedienung | Nur Touch, sofern die App kein Wing unterstützt | Echte Fader und Tasten | Maus und Tastatur oder ein zusätzliches Wing |
| Umgang mit Geräten | Bibliotheken und Farbwähler | Rohe Kanäle pro Gerätetaste | Bibliotheken, Effekte, Visualisierer |
| Am besten geeignet für | Kleine Rigs, Fokussieren, Anpassungen beim Gang durch den Raum | Ehrenamtliche, wiederkehrende Veranstaltungen, Backup | Größere Shows, Timecode, komplexe Effekte |
So richten Sie ein iPad-Rig ein, das stabil läuft
Netzwerk
- Verwenden Sie einen eigenen Router nur für das Licht. Nutzen Sie nicht das WLAN der Location oder einen Handy-Hotspot.
- Verbinden Sie den Router nicht mit dem Internet. Geben Sie iPad, Router und Node feste IP-Adressen, wie es die Anleitung der App empfiehlt.
- Verbinden Sie den Node per Ethernet-Kabel mit dem Router, sodass die einzige Funkstrecke die des iPads ist.
- Nutzen Sie für das iPad 5 GHz, wenn Ihr Router das unterstützt, besonders wenn Sie zusätzlich Funk-DMX auf 2,4 GHz verwenden.
- Platzieren Sie den Router erhöht und in Sichtlinie zu Ihrem Standort, nicht in einem Case unter der Bühne.
iPad-Einstellungen
- Schalten Sie für die Show die automatische Sperre aus und aktivieren Sie „Nicht stören“ oder einen Fokus-Modus.
- Sperren Sie das iPad mit dem geführten Zugriff auf die Licht-App.
- Deaktivieren Sie automatische iOS- und App-Updates. Aktualisieren Sie nur zwischen Veranstaltungen und testen Sie danach.
- Starten Sie mit vollem Akku und halten Sie ein Ladekabel bereit, das bis zu Ihrem Bedienplatz reicht.
Showdatei
- Legen Sie die meistgenutzten Szenen auf eine Seite mit großen Tasten.
- Exportieren Sie eine Sicherung der Showdatei nach jeder Änderung, die Sie behalten möchten.
- Testen Sie nach Möglichkeit, wenn der Raum voller Smartphones ist, zum Beispiel beim Soundcheck mit Band und Crew vor Ort.
Plan B, wenn das iPad ausfällt
Legen Sie erstens fest, was Geräte und Node tun sollen, wenn keine Befehle mehr kommen. Viele Nodes senden weiter das zuletzt empfangene Datenpaket, und viele Geräte haben eine Einstellung für Signalverlust, mit der sie den letzten Look halten oder dunkel werden. Den letzten Look zu halten, ist für einen Bühnen-Wash meist richtig. Prüfen Sie, dass in dem Look, der gehalten wird, kein Strobe und kein Effekt läuft.
Halten Sie zweitens einen Hardware-Controller gepatcht und einsatzbereit, mit ein paar sicheren Szenen: Saallicht, Bühnen-Wash und Blackout. Schließen Sie niemals zwei DMX-Quellen an dieselbe Leitung an. Zum Umschalten stecken Sie das DMX-Kabel vom Ausgang des Nodes auf den Ausgang des Controllers um oder verwenden einen dafür ausgelegten DMX-Merger. Ein kompaktes Hardware-Pult wie UKING 192 DMX-Controller ist ein praktisches Backup für ein kleines Rig und braucht überhaupt kein WLAN.
Häufige Fragen
Kann ein iPad DMX-Scheinwerfer direkt steuern?
Nicht ohne Hardware. Sie brauchen einen Art-Net- oder sACN-Node in einem Netzwerk oder ein DMX-Interface, das Ihre App unterstützt. Geräte mit eigener Bluetooth- oder WLAN-App lassen sich direkt steuern, aber das ist das System des Geräteherstellers, kein DMX.
Ist WLAN schnell genug für DMX?
Für die meisten kleinen Rigs ja. Ein volles DMX-Universum wird bis zu etwa 44-mal pro Sekunde aktualisiert, und das ist eine kleine Datenmenge. Das Problem ist nicht die Bandbreite, sondern Aussetzer und Verzögerungen, wenn der WLAN-Kanal überlastet ist.
Was passiert, wenn das iPad mitten in der Show die Verbindung verliert?
Die Scheinwerfer tun, was bei Signalverlust für Node und Geräte eingestellt ist: den letzten Look halten, ausgehen oder ein eingebautes Programm abspielen. Stellen Sie das vor der Veranstaltung ein und testen Sie es, damit ein Aussetzer den Look einfriert, statt für Überraschungen zu sorgen.
Kann ich stattdessen ein Android-Tablet oder ein iPhone verwenden?
Viele Licht-Apps laufen auf dem iPhone, und manche gibt es auch für Android. Es gelten dieselben Regeln. Prüfen Sie, ob die App Ihren Node oder Ihr Interface unterstützt, und verwenden Sie einen Bildschirm, der groß genug für Ihre Finger ist.